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Die
kooperierende Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe Rodenberg
besuchen 1016 Schülerinnen und Schüler in 43 Klassen. Das Einzugsgebiet ist
großflächig und ländlich strukturiert, die Schülerinnen und Schüler sind
überwiegend auf die Schülerbeförderung angewiesen. Die 67 Lehrkräfte der
Schule haben bei der Förderung der Berufsorientierung und der
Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler einen Schwerpunkt im
Unterricht gesetzt.
Das Bewerbungstraining - wichtiger Baustein im Berufswahlkonzept der
Stadtschule Rodenberg
Viele Schülerinnen und Schüler sind geneigt, Problemsituationen zu vermeiden
und so weit wie möglich zeitlich hinaus zu schieben. Dazu gehört auch die
Entscheidung für einen Ausbildungsberuf und die Bewerbung um einen
entsprechenden Ausbildungsplatz. Eine weitreichende Maßnahme, die von den
meisten Schülerinnen und Schülern ohne Hilfestellung kaum bewältigt werden
kann. Diese Feststellung trifft auf die Realschülerinnen und -schüler,
besonders aber auf die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule zu. Wird
Letzteren die Problematik der steigenden Anforderungen in ihren
„klassischen" Berufsbereichen (Handwerk/Industrie, einfachere
Dienstleistungen) bewusst und sehen sie sich der Konkurrenz der Schülerinnen
und Schüler mit höherwertigen Schulabschlüssen angesichts eines begrenzten
Angebotes an Ausbildungsplätzen ausgesetzt, stellt sich häufig ein relativ
gleichgültiges Berufswahlverhalten ein. Dieses äußert sich auch in der
überwiegend wenig zielgerichteten Entscheidung für den Besuch einer
Vollzeitschule im berufsbildenden Bereich.
Um diesem Gefühl der Benachteiligung entgegen zu wirken, hat die Stadtschule
für die Schülerinnen und Schüler ab der 8. Jahrgangsstufe der Hauptschule
ein Konzept entworfen, das eine schrittweise Begleitung des individuellen
Berufswahlprozesses bis zur Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ermöglicht
und den Schülerinnen und Schülern zunehmend Sicherheit und Selbstvertrauen
vermittelt. In der 8. Jahrgangsstufe bildet der berufsorientierende
Unterricht einen deutlichen Schwerpunkt, begleitet von der Berufsberatung
und einer ersten intensiven Informationsbeschaffung während der jährlich
stattfindenden Berufsfindungswoche unter Nutzung des
Berufsinformationszentrums des Landesarbeitsamtes mit außerschulischen
Experten im Forum der Stadtschule.
Im zweiten Schulhalbjahr werden die Schülerinnen und Schüler im Fach AW
erstmalig mit den Bewerbungsmodalitäten vertraut gemacht, im
Deutschunterricht werden Bewerbungsschreiben und Lebenslauf intensiv geübt.
Anschließend werden in Erkundungstagen und einem Kurzpraktikum (8 Schultage)
erste betriebliche und berufliche Erfahrungen gesammelt, die eine
Überprüfung bisheriger beruflicher Vorstellungen ermöglichen. Mit Beginn der
9. Jahrgangsstufe nehmen alle Schülerinnen und Schüler am Unterrichtsverbund
(UVB) mit den berufsbildenden Schulen in Stadthagen teil und durchlaufen
während des ersten Schulhalbjahres 4-5 Berufsfelder nach Wahl.
Nach einer weiteren Teilnahme an der Berufsfindungswoche folgt ein zweites,
jetzt 3-wöchiges Betriebspraktikum. Die Schülerinnen und Schüler bewerben
sich selbst um Praktikumsplätze entsprechend ihren individuellen beruflichen
Vorstellungen und werden dabei von den AW-Lehrkräften und der Berufsberatung
unterstützt. Bei diesem Verfahren erleben die Schülerinnen und Schüler die
Bedeutung einer gelungenen Bewerbung als wichtigen Zugangsfaktor zu einer
Ausbildung.In Verbindung mit einem guten, berufsadäquaten Auftreten während
des Praktikums werden auf diesem Wege in einigen Fällen bereits Zusagen für
einen Ausbildungsplatz erreicht
Den „letzten Schliff" erfahren die Schülerinnen und Schüler anschließend in
einem ganztägigen Bewerbungstraining, das geeignet ist, noch vorhandene
Ängste abzubauen und zusätzliche Sicherheit und Selbstvertrauen zu
vermitteln. Die Teilnahme an diesem Bewerbungstraining ist für alle
Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe verpflichtend. Es findet für
die Hauptschülerinnen und Hauptschüler im Frühherbst, für die
Realschülerinnen und Realschüler im Frühjahr statt und bietet somit einen
zeitlich abgestimmten Motivationsschub für die reale Bewerbung.
Vier Wochen vor dem Training geben die Schülerinnen und Schüler eine selbst
(ohne Hilfe) erstellte komplette Bewerbungsmappe ab, die auf den eigenen
Ausbildungswunsch ausgerichtet ist. Diese wird an die Seminarleiter des
Trainings weiter geleitet, von diesen durchgesehen, kommentiert und während
des Trainingstages zurückgegeben.
Um den Stellenwert des Trainings zu betonen und eine möglichst realistische
Situation zu schaffen, findet das Seminar im Hotel Delphin im benachbarten
Bad Nenndorf statt. Mit der Geschäftsführung des Hotels und den
Seminarleitungen wurden schriftliche Kooperationsvereinbarungen
abgeschlossen, die bis auf Widerruf unbegrenzt gelten. Die Leitung des
Hotels stellt für jeden Seminartag (in der Regel zwei Tage für jeweils 4
Klassen) drei mit OHP, Recorder und Monitor, Flip-Charts etc. ausgerüstete
Räume zur Verfügung und sorgt für die Verpflegung während der zwei täglichen
Pausen. Die Durchführung des Trainings übernehmen die Kooperationspartner
Volksbank Stadthagen, Barmer Ersatzkasse Stadthagen und AOK Rinteln. Diese
beteiligen sich auch an den gering gehaltenen Kosten, so dass die
teilnehmenden Schülerinnen und Schüler lediglich einen anteiligen Beitrag
von 2,- € für Verpflegung und Bustransfer entrichten müssen. Die
Trainingsgruppen umfassen maximal 12 Schülerinnen und Schüler und werden von
den AW-Fachlehrkräften begleitet. Die Seminare beginnen um 8.00 Uhr und
enden um 14.30 Uhr, unterbrochen von zwei Verpflegungspausen. Diese eher an
betrieblichen Zeiten orientierte Einteilung unterstreicht die Besonderheit
der Maßnahme.
Die Inhalte des Trainings sind mit den Kooperationspartnern abgestimmt. In
einem ersten Block werden nochmals allgemeine Grundlagen erarbeitet und
anhand der eingereichten Schülerbewerbungen individuelle Tipps gegeben. Im
zweiten Block nehmen die Schülerinnen und Schüler an Eignungstests unter
realistischen Bedingungen teil, Tipps zur erfolgreichen Vorbereitung und
Durchführung sind ebenfalls Bestandteil dieser Phase. Schwerpunkt des
dritten Abschnittes ist das Vorstellungsgespräch.
Nach einführenden Hinweisen werden auf Grund der eingereichten Bewerbungen
entsprechende Gespräche geführt und von Kameras (von den Seminarleitungen
gestellt) aufgezeichnet, so dass jedes Gespräch anschließend analysiert
werden kann. Die Erfahrung zeigt, dass diese Maßnahme bei den Schülerinnen
und Schülern besonders nachhaltig wirkt und geeignet ist, mehr Sicherheit
und Selbstvertrauen zu vermitteln. Die aufgenommenen Gespräche können auch
im nachfolgenden AW-Unterricht aufbereitet werden. Nach Beendigung des
Trainings findet im Hotel ein abschließendes Gespräch der AW-Fachlehrkräfte
mit den Kooperationspartnern statt. Erfahrungsaustausch,
Verbesserungsmöglichkeiten und die Vorbereitung des nächsten Trainings
stehen dabei im Vordergrund. |
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Da diese
Form des Bewerbungstrainings bereits seit einigen Jahren durchgeführt wird,
ist eine Bewertung des Stellenwertes und der Nachhaltigkeit möglich. So
äußern sich die Schülerinnen und Schüler, die dieses Training durchlaufen
haben, fast ausschließlich positiv. Auch zeigen Rückmeldungen aus Betrieben
(während der Praktika darauf angesprochen), dass sich die Qualität der
Bewerbungen durchschnittlich (wenn auch nicht durchgehend) verbessert hat.
Ein weiterer positiver Aspekt sollte nicht unterschätzt werden:
Die Schülerinnen und Schüler werden durch das Training zusätzlich motiviert,
sich überhaupt zu bewerben und die Problemsituation der
Ausbildungsplatzsuche nicht ziellos zeitlich hinaus zu zögern. Dadurch wird
deutlich, dass das Konzept der Stadtschule durchaus geeignet ist, die
beruflichen Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern
Stadtschule
Rodenberg
Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe
Suntalstraße 19 31553
Rodenberg
Telefon: 05723/9462-0,
Fax:
05723/946220 |
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