Broschüre Gütesiegel 2003

 
   

STADTSCHULE RODENBERG HAUPT- UND REALSCHULE
MIT ORIENTIERUNGSSTUFE
Wer zuerst kommt....

 
   

Die kooperierende Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe Rodenberg besuchen 1016 Schülerinnen und Schüler in 43 Klassen. Das Einzugsgebiet ist großflächig und ländlich strukturiert, die Schülerinnen und Schüler sind überwiegend auf die Schülerbeförderung angewiesen. Die 67 Lehrkräfte der Schule haben bei der Förderung der Berufsorientierung und der Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler einen Schwerpunkt im Unterricht gesetzt.

Das Bewerbungstraining - wichtiger Baustein im Berufswahlkonzept der Stadtschule Rodenberg

Viele Schülerinnen und Schüler sind geneigt, Problemsituationen zu vermeiden und so weit wie möglich zeitlich hinaus zu schieben. Dazu gehört auch die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf und die Bewerbung um einen entsprechenden Ausbildungsplatz. Eine weitreichende Maßnahme, die von den meisten Schülerinnen und Schülern ohne Hilfestellung kaum bewältigt werden kann. Diese Feststellung trifft auf die Realschülerinnen und -schüler, besonders aber auf die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule zu. Wird Letzteren die Problematik der steigenden Anforderungen in ihren „klassischen" Berufsbereichen (Handwerk/Industrie, einfachere Dienstleistungen) bewusst und sehen sie sich der Konkurrenz der Schülerinnen und Schüler mit höherwertigen Schulabschlüssen angesichts eines begrenzten Angebotes an Ausbildungsplätzen ausgesetzt, stellt sich häufig ein relativ gleichgültiges Berufswahlverhalten ein. Dieses äußert sich auch in der überwiegend wenig zielgerichteten Entscheidung für den Besuch einer Vollzeitschule im berufsbildenden Bereich.
Um diesem Gefühl der Benachteiligung entgegen zu wirken, hat die Stadtschule für die Schülerinnen und Schüler ab der 8. Jahrgangsstufe der Hauptschule ein Konzept entworfen, das eine schrittweise Begleitung des individuellen Berufswahlprozesses bis zur Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ermöglicht und den Schülerinnen und Schülern zunehmend Sicherheit und Selbstvertrauen vermittelt. In der 8. Jahrgangsstufe bildet der berufsorientierende Unterricht einen deutlichen Schwerpunkt, begleitet von der Berufsberatung und einer ersten intensiven Informationsbeschaffung während der jährlich stattfindenden Berufsfindungswoche unter Nutzung des Berufsinformationszentrums des Landesarbeitsamtes mit außerschulischen Experten im Forum der Stadtschule.
Im zweiten Schulhalbjahr werden die Schülerinnen und Schüler im Fach AW erstmalig mit den Bewerbungsmodalitäten vertraut gemacht, im Deutschunterricht werden Bewerbungsschreiben und Lebenslauf intensiv geübt. Anschließend werden in Erkundungstagen und einem Kurzpraktikum (8 Schultage) erste betriebliche und berufliche Erfahrungen gesammelt, die eine Überprüfung bisheriger beruflicher Vorstellungen ermöglichen. Mit Beginn der 9. Jahrgangsstufe nehmen alle Schülerinnen und Schüler am Unterrichtsverbund (UVB) mit den berufsbildenden Schulen in Stadthagen teil und durchlaufen während des ersten Schulhalbjahres 4-5 Berufsfelder nach Wahl.
Nach einer weiteren Teilnahme an der Berufsfindungswoche folgt ein zweites, jetzt 3-wöchiges Betriebspraktikum. Die Schülerinnen und Schüler bewerben sich selbst um Praktikumsplätze entsprechend ihren individuellen beruflichen Vorstellungen und werden dabei von den AW-Lehrkräften und der Berufsberatung unterstützt. Bei diesem Verfahren erleben die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung einer gelungenen Bewerbung als wichtigen Zugangsfaktor zu einer Ausbildung.In Verbindung mit einem guten, berufsadäquaten Auftreten während des Praktikums werden auf diesem Wege in einigen Fällen bereits Zusagen für einen Ausbildungsplatz erreicht
Den „letzten Schliff" erfahren die Schülerinnen und Schüler anschließend in einem ganztägigen Bewerbungstraining, das geeignet ist, noch vorhandene Ängste abzubauen und zusätzliche Sicherheit und Selbstvertrauen zu vermitteln. Die Teilnahme an diesem Bewerbungstraining ist für alle Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe verpflichtend. Es findet für die Hauptschülerinnen und Hauptschüler im Frühherbst, für die Realschülerinnen und Realschüler im Frühjahr statt und bietet somit einen zeitlich abgestimmten Motivationsschub für die reale Bewerbung.
Vier Wochen vor dem Training geben die Schülerinnen und Schüler eine selbst (ohne Hilfe) erstellte komplette Bewerbungsmappe ab, die auf den eigenen Ausbildungswunsch ausgerichtet ist. Diese wird an die Seminarleiter des Trainings weiter geleitet, von diesen durchgesehen, kommentiert und während des Trainingstages zurückgegeben.
Um den Stellenwert des Trainings zu betonen und eine möglichst realistische Situation zu schaffen, findet das Seminar im Hotel Delphin im benachbarten Bad Nenndorf statt. Mit der Geschäftsführung des Hotels und den Seminarleitungen wurden schriftliche Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen, die bis auf Widerruf unbegrenzt gelten. Die Leitung des Hotels stellt für jeden Seminartag (in der Regel zwei Tage für jeweils 4 Klassen) drei mit OHP, Recorder und Monitor, Flip-Charts etc. ausgerüstete Räume zur Verfügung und sorgt für die Verpflegung während der zwei täglichen Pausen. Die Durchführung des Trainings übernehmen die Kooperationspartner Volksbank Stadthagen, Barmer Ersatzkasse Stadthagen und AOK Rinteln. Diese beteiligen sich auch an den gering gehaltenen Kosten, so dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler lediglich einen anteiligen Beitrag von 2,- € für Verpflegung und Bustransfer entrichten müssen. Die Trainingsgruppen umfassen maximal 12 Schülerinnen und Schüler und werden von den AW-Fachlehrkräften begleitet. Die Seminare beginnen um 8.00 Uhr und enden um 14.30 Uhr, unterbrochen von zwei Verpflegungspausen. Diese eher an betrieblichen Zeiten orientierte Einteilung unterstreicht die Besonderheit der Maßnahme.
Die Inhalte des Trainings sind mit den Kooperationspartnern abgestimmt. In einem ersten Block werden nochmals allgemeine Grundlagen erarbeitet und anhand der eingereichten Schülerbewerbungen individuelle Tipps gegeben. Im zweiten Block nehmen die Schülerinnen und Schüler an Eignungstests unter realistischen Bedingungen teil, Tipps zur erfolgreichen Vorbereitung und Durchführung sind ebenfalls Bestandteil dieser Phase. Schwerpunkt des dritten Abschnittes ist das Vorstellungsgespräch.
Nach einführenden Hinweisen werden auf Grund der eingereichten Bewerbungen entsprechende Gespräche geführt und von Kameras (von den Seminarleitungen gestellt) aufgezeichnet, so dass jedes Gespräch anschließend analysiert werden kann. Die Erfahrung zeigt, dass diese Maßnahme bei den Schülerinnen und Schülern besonders nachhaltig wirkt und geeignet ist, mehr Sicherheit und Selbstvertrauen zu vermitteln. Die aufgenommenen Gespräche können auch im nachfolgenden AW-Unterricht aufbereitet werden. Nach Beendigung des Trainings findet im Hotel ein abschließendes Gespräch der AW-Fachlehrkräfte mit den Kooperationspartnern statt. Erfahrungsaustausch, Verbesserungsmöglichkeiten und die Vorbereitung des nächsten Trainings stehen dabei im Vordergrund.

 
   

Da diese Form des Bewerbungstrainings bereits seit einigen Jahren durchgeführt wird, ist eine Bewertung des Stellenwertes und der Nachhaltigkeit möglich. So äußern sich die Schülerinnen und Schüler, die dieses Training durchlaufen haben, fast ausschließlich positiv. Auch zeigen Rückmeldungen aus Betrieben (während der Praktika darauf angesprochen), dass sich die Qualität der Bewerbungen durchschnittlich (wenn auch nicht durchgehend) verbessert hat.
Ein weiterer positiver Aspekt sollte nicht unterschätzt werden:
Die Schülerinnen und Schüler werden durch das Training zusätzlich motiviert, sich überhaupt zu bewerben und die Problemsituation der Ausbildungsplatzsuche nicht ziellos zeitlich hinaus zu zögern. Dadurch wird deutlich, dass das Konzept der Stadtschule durchaus geeignet ist, die beruflichen Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern

Stadtschule Rodenberg
Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe
Suntalstraße 19
31553 Rodenberg
Telefon:
05723/9462-0, Fax: 05723/946220