Schaumburger Wochenblatt vom 20.10.2007

   
 

  Eine Vorzeigeschule und ihre Jahrestage
Jubiläumsfeier der Stadtschule / 100 Jahre Altbau in der Langen Straße,
30 Jahre Suntalstraße / Moderation erfolgt durch Schülerinnen

 

 

 

 


Ausschnitt aus der agilen Lehrerband.     
Junge Trommelgruppe mit Gertin Johnson (re.)

   

 

 

 

 


Brigitte Naber
Schulleiterin

 

 


Günther Voigt
ehemaliger
Schulleiter

Foto: wm

 


RODENBERG (wm). Als die Stadtschule im vollbesetzten Forum das 100-jährige Jubiläum ihres Stammhauses an der Langen Straße beging, verfehlte sie den genauen Termin nur um fünf Tage. Es ging aber noch genauer: Die Einweihung des Schulzentrums Suntalstraße, des heutigen Domizils, lag mit einem einzigen Tag Abweichung 30 Jahre zurück. Also noch ein Anlass zum Feiern! Schulleiterin Brigitte Naber skizzierte kurz die Geschichte des hundertjährigen Schulbaus an der Aue; ohne sehr ins Detail zu gehen, denn bei der Feier in der Julius-Rodenberg-Schule war das Wichtigste bereits zusammengefasst worden. An die Schilderungen der erbärmlichen Raumverhältnisse vor dem Schulbau knüpfte aber Jobst-Hinrich Wöbbeking mit dem Thema an: „Das Schulwesen zur Zeit Wilhelm Buschs." Der ehemalige Konrektor ist ausgewiesener Busch-Spezialist und konnte deshalb seine Beobachtungen aus der einklassigen Dorfschule, die Armut und das Bild vom Fehlen der Schüler (weil sie zu Haus gebraucht wurden) immer mit passenden Versen des Weisen aus Wiedensahl würzen. Frenetischer Beifall. Günter Voigt erzählte aus seinen langen Jahren (bis 1996) als Rektor der Stadtschule. Er griff noch etwas weiter zurück und stellte Entwicklungsphasen dar. Wie die einklassigen Dorfschulen die Schüler des 1962 eingeführten 9. Schuljahrs nun plötzlich in Jahrgangsklassen von Stadtschulen abgeben mussten. So wurde auch die Stadtschule Rodenberg zur Mittelpunktsschule, mit allen Konsequenzen bis hin zum Schülertransport. Die Dorfschulen verloren nach und nach ihre Stellung als wichtiger kultureller Mittelpunkt; zwar wurde der Unterricht perfekter; aber es stellten sich auch Begleiterscheinungen wie Unruhe, Schwänzen und Gewalt ein. Günter Voigt wusste von den neuen Strukturen herzu erklären, warum in Rodenberg ständig an gebaut werden musste': Nun auch 7. Klassen in die Mittelpunktschule, Differenzierter Mittelbau als Vorstufe zur Realschule (promt war das Schulzentrum Suntalstraße nötig), Orientierungsstufe, Sporthalle, reibungslose Übernahme der Realschule Bad Nenndorf. Ein überraschendes Ergebnis aus Voigts Zeiten: 1979 gab es in Rodenberg 25 % Hauptschüler, 1996 nicht etwa weniger, sondern 27 %. Der Realschulrektor a. D. fasste zusammen: Überhaupt kein Zweifel, die tief greifenden Veränderungen waren ein notwendiger Prozess. Ihm lauschte eine große Zahl Zuhörer vom Fach: Sein unmittelbarer Nachfolger Horst Asche, mehrere Konrektoren a. D., das heutige Lehrerkollegium. Und die Gäste aus Politik und Verwaltung, die ständig mit Schulen zu tun haben.
Landrat, Regierungs-Schulfachleute, Samtgemeindebürgermeister (aus Rodenberg Uwe Heilmann, aus Bad Nenndorf der Stellvertreter Werner Tatge). Das Programm wurde aufgelockert durch zwei Schüler-Moderatorinnen aus der 10RS und verschiedene Darbietungen. Zu Anfang spielte Frederieke Tambaur am Piano ein „Pop Prelude". Eine große Trommelgruppe aus der Klasse 5R2 trat in Aktion; Lehrerin Gertin Johnson erklärte, dass die Instrumente aus Blumentöpfen mit Butterbrotpapier bestehen. Die Lehrerband unter Horst Gietschel trat mehrmals auf, mit und ohne Gesangssoli. Sie überzeugte dermaßen, dass gefragt wurde: „Wo kann man sie unter Vertrag nehmen?" Seine Gaudi hatte man bei „Montag 1. Stunde", einem lebendigen Klassenbild mit „Lehrer Steinbeißer". Alles sehr sorgfältig vorbereitet und eingeübt.
Es fehlt aber noch einiges, über das unbedingt zu berichten ist: die Grußworte der Gäste, die aktueller ausfielen, als man das meist vermutet (es gibt in Rodenberg viel zu loben, aber auch neu in Gang zu bringen); den interessanten Ausblick von Schulleiterin Brigitte Naber und den Rundgang nach Schluss, durch die Ausstellung über Arbeit und Leben in der heutigen Stadtschule („klein" war sie in der Einladung angekündigt, in Wirklichkeit aber viel mächtiger). Das also wird nachgeholt. Brigitte Naber unterrichtete ihre Gäste noch davon, dass nun - 30 Jahre nach dem Umzug an die Suntalstraße - die letzten Klassen der Stadtschule den Gebäudekomplex an der Aue verlassen. Jetzt ist man komplett hier angekommen. Die Schulleiterin hatte auch herausgefunden, von wem der Ausspruch „die schönste Schule des Kreises" im Jahr 1907 eigentlich stammte: der damalige Landrat v. Ditfurth sagte ihn am Einweihungstag.
           

   


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