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Petrus hat es nicht gut gemeint mit dem Kulturfest „Bad Nenndorf ist bunt“ (BNib).
Pünktlich zum Start um 14 Uhr fing es im Kurpark an zu regnen. Die Stimmung
rund um die Muschel konnte das kaum trüben. Sechs Stunden lang vergnügten
sich zahlreiche Teilnehmer aus vielen Nationen und verbanden gelebte
Vielfalt mit einem farbenfrohen musikalischen und kulinarischen Programm für
jedes Alter und jeden Geschmack.
Für das
Schirm-Wetter fühlte sich Schirmherr Heinz- Gerhard Schöttelndreier nicht
verantwortlich. Wohl aber dafür, Zeichen zu setzen gegen die „Trauermärsche“
der Nazis. „Es zeigt sich, dass immer mehr gesellschaftliche Gruppen davon
die Nase voll haben“, so der Landrat im Gespräch mit Moderator Klaus
Strempel. Das Kulturfest sei zu einer wichtigen Tradition geworden.
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Es
habe sich gezeigt, dass Ignorieren keine Option darstelle. „Das wird von den
Nazis missverstanden“, warnte Schöttelndreier. Wichtig sei, dass der Rat der
Stadt jetzt Position beziehe. „Ich bin sicher, dass die Ratsleute am 1.
August auf die Straße gehen und Flagge zeigen gegen die Nazis“, betonte er.
Ein Verbot des rechten Aufmarsches scheine indes unwahrscheinlich. Anders
als in Hannover, wo das Verbot Bestand hatte, weil am 1. Mai nicht genug
Polizeikräfte verfügbar waren. „Das ist am 1. August nicht so“, erklärte der
Landrat und forderte alle Bürger auf, sich an der Gegendemonstration zu
beteiligen.
Ähnliches sieht die neue Resolution gegen Gewalt und Extremismus vor, die
vom Nenndorfer Rat einstimmig verabschiedet worden sei, berichtete
Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese. Auch der Rat der Stadt werde sich dem
anschließen, so der stellvertretende Bürgermeister, Werner Tatge. Seit
Kurzem darf sich die Stadt „Ort der Vielfalt“ nennen. Anfang des Jahres
seien alle Kommunen auf diesen Wettbewerb des Bundes hingewiesen worden, so
Reese. Bad Nenndorf habe mit bürgerschaftlichem Engagement punkten können.
Der Landrat betonte, wem diese Auszeichnung in erster Linie zu verdanken
sei: „dem unermüdlichen Engagement von Jürgen Uebel und der Initiative Bad
Nenndorf ist bunt“. „Jeder sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein“,
sagte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy. Demokratie müsse erlernt
werden. Als Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag habe er daran
mitgewirkt, dass die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) verboten worden ist.
Wolfgang Lietz, seit 1968 regelmäßig Kurgast, berichtete von Aktionen in
Hamburg. Dessen Fazit: „Nie wieder Nazis.“ Kajo Kreter vom Stadtarchiv
Hannover verlas die Namen aller Bad Nenndorfer Juden, die im Vorfeld des
Zweiten Weltkriegs von örtlichen Nazis bedroht und vertrieben worden waren.
Informationsstände reichten von AWO bis SPD, die Musik von Punk bis Swing.
Die Damen vom türkisch-islamischen Kulturverein boten traditionelle Genüsse.
Auf der nassen Bühne begeisterte die Jugend mit traditionellen Kostümen und
Tänzen. Vorsitzender Ali Ünlü dankte den Organisatoren, hoffte aber auf mehr
Besucher aus Nenndorf. Die jüdische Gemeinde überzeugte mit kulinarischen
Spezialitäten und Klezmer-Musik von Natalja Resnikova (Geige) und Naum
Nussbaum (Klavier). Der deutsch-russische Chor Sudaruschka warb neue
Mitglieder, und das Kuchenbüfett der Stadtschule erfreute sich regen
Zuspruchs. Erstmals gab es indische Tänze zu sehen, präsentiert von Sheena
Deist und Zwölftklässlerinnen vom Gymnasium. Die jungen Schauspieler der
Theaterkiste Waltringhausen bekamen ebenso Beifall wie die junge Turngruppe
„RAN" der Sportvereine Bodenberg, Algesdorf und Bad Nenndorf.
Gewerkschaftsmitarbeiter Charly Braun aus Schneverdingen berichtete, wie man
Nazis das „Volkslaufen" abgewöhnt. „In der Lüneburger Heide haben wir den
Nazis ihre Verkleidung abgerissen. Jetzt sind sie nach Bad Nenndorf
ausgewichen", rechne er mit einer erneuten Teilnahme der „Snevern Jungs" am
Kurparklauf. Dietmar Buchholz appellierte an alle, am 31. Juli und 1. August
aktiv zu werden: „Wir lassen uns die Hoheit über Nenndorfs Straßen nicht
nehmen. Auch in Wunsiedel hat es Jahre gedauert bis die Bürger so zahlreich
zu Demos kamen, dass der brauneSpuk aufhörte." tes |