Schaumburger Nachrichten vom 08.06.2009

   
 

Bunt, vielfältig und weltoffen

Internationales Flair beim Kulturfest im Kurpark:
Bad Nenndorf zeigt Flagge gegen Rechtsextremismus
 
 

Petrus hat es nicht gut gemeint mit dem Kulturfest „Bad Nenndorf ist bunt“ (BNib). Pünktlich zum Start um 14 Uhr fing es im Kurpark an zu regnen. Die Stimmung rund um die Muschel konnte das kaum trüben. Sechs Stunden lang vergnügten sich zahlreiche Teilnehmer aus vielen Nationen und verbanden gelebte Vielfalt mit einem farbenfrohen musikalischen und kulinarischen Programm für jedes Alter und jeden Geschmack.
Für das Schirm-Wetter fühlte sich Schirmherr Heinz- Gerhard Schöttelndreier nicht verantwortlich. Wohl aber dafür, Zeichen zu setzen gegen die „Trauermärsche“ der Nazis. „Es zeigt sich, dass immer mehr gesellschaftliche Gruppen davon die Nase voll haben“, so der Landrat im Gespräch mit Moderator Klaus Strempel. Das Kulturfest sei  zu einer wichtigen Tradition geworden.

 

Akrobatik aus drei Orten: Die Gruppe „RAN an die Geräte“  aus Rodenberg, Algesdorf und Bad Nenndorf turnen vor der Musikmuschel mit dem Motto „Bad6 Nenndorf ist bunt“.

 

Es habe sich gezeigt, dass Ignorieren keine Option darstelle. „Das wird von den Nazis missverstanden“, warnte Schöttelndreier. Wichtig sei, dass der Rat der Stadt jetzt Position beziehe. „Ich bin sicher, dass die Ratsleute am 1. August auf die Straße gehen und Flagge zeigen gegen die Nazis“, betonte er. Ein Verbot des rechten Aufmarsches scheine indes unwahrscheinlich. Anders als in Hannover, wo das Verbot Bestand hatte, weil am 1. Mai nicht genug Polizeikräfte verfügbar waren. „Das ist am 1. August nicht so“, erklärte der Landrat und forderte alle Bürger auf, sich an der Gegendemonstration zu beteiligen.
Ähnliches sieht die neue Resolution gegen Gewalt und Extremismus vor, die vom Nenndorfer Rat einstimmig verabschiedet worden sei, berichtete Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese. Auch der Rat der Stadt werde sich dem anschließen, so der stellvertretende Bürgermeister, Werner Tatge. Seit Kurzem darf sich die Stadt „Ort der Vielfalt“ nennen. Anfang des Jahres seien alle Kommunen auf diesen Wettbewerb des Bundes hingewiesen worden, so Reese. Bad Nenndorf habe mit bürgerschaftlichem Engagement punkten können.
Der Landrat betonte, wem diese Auszeichnung in erster Linie zu verdanken sei: „dem unermüdlichen Engagement von Jürgen Uebel und der Initiative Bad Nenndorf ist bunt“. „Jeder sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein“, sagte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy. Demokratie müsse erlernt werden. Als Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag habe er daran mitgewirkt, dass die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) verboten worden ist. Wolfgang Lietz, seit 1968 regelmäßig Kurgast, berichtete von Aktionen in Hamburg. Dessen Fazit: „Nie wieder Nazis.“ Kajo Kreter vom Stadtarchiv Hannover verlas die Namen aller Bad Nenndorfer Juden, die im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs von örtlichen Nazis bedroht und vertrieben worden waren.
Informationsstände reichten von AWO bis SPD, die Musik von Punk bis Swing. Die Damen vom türkisch-islamischen Kulturverein boten traditionelle Genüsse. Auf der nassen Bühne begeisterte die Jugend mit traditionellen Kostümen und Tänzen. Vorsitzender Ali Ünlü dankte den Organisatoren, hoffte aber auf mehr Besucher aus Nenndorf. Die jüdische Gemeinde überzeugte mit kulinarischen Spezialitäten und Klezmer-Musik von Natalja Resnikova (Geige) und Naum Nussbaum (Klavier). Der deutsch-russische Chor Sudaruschka warb neue Mitglieder, und das Kuchenbüfett der Stadtschule erfreute sich regen Zuspruchs. Erstmals gab es indische Tänze zu sehen, präsentiert von Sheena Deist und Zwölftklässlerinnen vom Gymnasium. Die jungen Schauspieler der Theaterkiste Waltringhausen bekamen ebenso Beifall wie die junge Turngruppe „RAN" der Sportvereine Bodenberg, Algesdorf und Bad Nenndorf.
Gewerkschaftsmitarbeiter Charly Braun aus Schneverdingen berichtete, wie man Nazis das „Volkslaufen" abgewöhnt. „In der Lüneburger Heide haben wir den Nazis ihre Verkleidung abgerissen. Jetzt sind sie nach Bad Nenndorf ausgewichen", rechne er mit einer erneuten Teilnahme der „Snevern Jungs" am Kurparklauf. Dietmar Buchholz appellierte an alle, am 31. Juli und 1. August aktiv zu werden: „Wir lassen uns die Hoheit über Nenndorfs Straßen nicht nehmen. Auch in Wunsiedel hat es Jahre gedauert bis die Bürger so zahlreich zu Demos kamen, dass der brauneSpuk aufhörte."   tes

     
   
       
 

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