Schaumburger Zeitung vom 27.02.2010

   
  „Der Kongo ist das Schlimmste“
 
 

Rodenberg (tes). „Ich habe schon viel gesehen, aber der Kongo ist das Schlimmste“: Was Dr. Eckhardt Flohr im Forum der Stadtschule von seinem Einsatz im Kongo berichtet hat, ließ keinen Zweifel daran, dass es für die Ärzte vom Hammer Forum in dem afrikanischen Land noch viel zu tun gibt. Kinder verhungern, die Korruption blüht. Umso willkommener war die Spende der Stadtschule.
Durch den Verkauf des Kunstkalenders konnte die Stadtschule 490 Euro sammeln und an soziale Projekte spenden. Der Bärenanteil wurde an das Hammer Forum überreicht, 90 Euro kommen Partnerschulen in Tansania zugute.
Eckhardt Flohr, der bis vor gut neun Monaten Chefarzt des Kreiskrankenhauses Stadthagen war, nahm den symbolischen Scheck entgegen und informierte in einem Vortrag über seine ehrenamtliche Arbeit im Kongo, von der er vor einigen Wochen zurückgekehrt war. Das Hammer Forum kümmert sich seit 1991 um Kinder in Kriegsgebieten. Mediziner Flohr, der auch schon zehn Mal in Afghanistan sowie in Sri Lanka geholfen hat, bezeichnete die Zustände im Kongo als besonders desolat. Das Land mit seinen 40 Millionen Menschen ist fast so groß wie Westeuropa. Nur fünf Prozent der Einwohner haben eine geregelte Arbeit. Riesige Bodenschätze wecken nicht nur bei den Milizen Begehrlichkeiten. Nachdem das ehemalige Zaire nach 80 Jahren als belgische Kolonie in die Freiheit entlassen wurde, haben sich die Zustände zugespitzt. „Der Kongo ist nach wie vor Kriegsgebiet“, sagte Flohr. Keine Infrastruktur, kein Sozialsystem, katastrophale Armut. Geld aus dem Ausland lande häufig in den falschen Kanälen.

 

Eckhardt Flohr vom Hammer Forum (v.l.)
bedankt sich für die Unterstützung der Schüler bei Torben Sieg (stellvertretender Schülersprecher), Timo Bartels (Schülervertretung) und Miriam Helle
sowie der Lehrerinnen Ursula Winter
und Ulrike Busche. Foto: tes

 


Die Kinderambulanz des Hammer Forums in Kikwit etwa 550 Kilometer östlich von Kinshasa ist für viele Familien die letzte Hoffnung. Geduldig warten jeden Tag bis zu 75 Eltern darauf, dass ihre Kinder kostenlos vom Hammer Forum behandelt werden. 2008 ist die Kinderambulanz in Betrieb gegangen. Im ersten Jahr wurden 1300 Kinder behandelt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 76 Prozent der Kinder hungern, 82 Prozent sind ohne ärztliche Versorgung. Die meisten Kinder sterben an Malaria, gefolgt von Durchfallerkrankungen, Tuberkulose und Auswirkungen der Mangelernährung. Genug Grund zu helfen, betonte Flohr.

Die Bedingungen seien jedoch problematisch. „Das haben wir uns so nicht träumen lassen“, verwies Flohr auf die Korruption. „Schwierig, dass man Eintritt bezahlen muss, wenn man helfen will.“ Auch die Zusammenarbeit mit Ärzten vor Ort lasse wenig Spielraum. „Die heimischen Ärzte wollen Geld sehen“, berichtete der Mediziner. Zudem bestehen große Unterschiede in Bezug auf die ärztliche Behandlung. „Die Kinder werden mit Antibiotika förmlich bombardiert“, so Flohr. Die Gefahr: Deren Körper werden resistent, Medikamente wirken nicht mehr. „Man schadet damit mehr als man hilft“, erwähnte Flohr den Aufklärungsaufwand. Zudem bestehe kein Verständnis für Hygiene. Der OP werde nicht gesäubert.

„Die Arbeit vor Ort ist ein täglicher Kampf.“ Obwohl die deutschen Ärzte nicht belehrend wirken wollen, sei das zum Wohle der Kinder unerlässlich. Die Menschen im Kongo nehmen Vitamine nur in Pillenform zu sich. Im Gegensatz dazu koste die Milchambulanz, die auf Initiative einer Krankenschwester entstanden sei, wenig und bringe viel. Den Erfolg belegen Bilder von Kindern, die mit ausgezehrten Körpern zum ersten Mal in die Ambulanz kommen und nach wenigen Monaten mit gut genährten Gesichtern in die Kamera lächeln. „Wenn man das sieht, weiß man, dass es sich lohnt“, erklärte Flohr seine Motivation und dankte für die Unterstützung der Stadtschüler.

„Alle waren sehr beeindruckt von euren Kunstwerken“, lobte auch Lehrerin Ursula Winter bei der Scheckübergabe. Zu viel gedruckte Kalender werden an Seniorenheime verteilt.

         
     

SZ VOM 14.01.2010

SOZIALE PROJEKTE

     

SW VOM 03.03.2010

JAHRESKALENDER 2010

 

Zurück zum Pressespiegel