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Rodenberg (tes). „Ich habe
schon viel gesehen, aber der Kongo ist das Schlimmste“: Was Dr. Eckhardt
Flohr im Forum der Stadtschule von seinem Einsatz im Kongo berichtet hat,
ließ keinen Zweifel daran, dass es für die Ärzte vom Hammer Forum in dem
afrikanischen Land noch viel zu tun gibt. Kinder verhungern, die Korruption
blüht. Umso willkommener war die Spende der Stadtschule.
Durch den Verkauf des Kunstkalenders konnte die Stadtschule 490 Euro sammeln
und an soziale Projekte spenden. Der Bärenanteil wurde an das Hammer Forum
überreicht, 90 Euro kommen Partnerschulen in Tansania zugute.
Eckhardt Flohr, der bis vor gut neun Monaten Chefarzt des Kreiskrankenhauses
Stadthagen war, nahm den symbolischen Scheck entgegen und informierte in
einem Vortrag über seine ehrenamtliche Arbeit im Kongo, von der er vor
einigen Wochen zurückgekehrt war. Das Hammer Forum kümmert sich seit 1991 um
Kinder in Kriegsgebieten. Mediziner Flohr, der auch schon zehn Mal in
Afghanistan sowie in Sri Lanka geholfen hat, bezeichnete die Zustände im
Kongo als besonders desolat. Das Land mit seinen 40 Millionen Menschen ist
fast so groß wie Westeuropa. Nur fünf Prozent der Einwohner haben eine
geregelte Arbeit. Riesige Bodenschätze wecken nicht nur bei den Milizen
Begehrlichkeiten. Nachdem das ehemalige Zaire nach 80 Jahren als belgische
Kolonie in die Freiheit entlassen wurde, haben sich die Zustände zugespitzt.
„Der Kongo ist nach wie vor Kriegsgebiet“, sagte Flohr. Keine Infrastruktur,
kein Sozialsystem, katastrophale Armut. Geld aus dem Ausland lande häufig in
den falschen Kanälen. |
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Die Kinderambulanz des Hammer Forums in Kikwit etwa 550 Kilometer östlich
von Kinshasa ist für viele Familien die letzte Hoffnung. Geduldig warten
jeden Tag bis zu 75 Eltern darauf, dass ihre Kinder kostenlos vom Hammer
Forum behandelt werden. 2008 ist die Kinderambulanz in Betrieb gegangen. Im
ersten Jahr wurden 1300 Kinder behandelt. Die Zahlen sprechen eine deutliche
Sprache: 76 Prozent der Kinder hungern, 82 Prozent sind ohne ärztliche
Versorgung. Die meisten Kinder sterben an Malaria, gefolgt von
Durchfallerkrankungen, Tuberkulose und Auswirkungen der Mangelernährung.
Genug Grund zu helfen, betonte Flohr.
Die Bedingungen seien jedoch problematisch. „Das haben wir uns so nicht
träumen lassen“, verwies Flohr auf die Korruption. „Schwierig, dass man
Eintritt bezahlen muss, wenn man helfen will.“ Auch die Zusammenarbeit mit
Ärzten vor Ort lasse wenig Spielraum. „Die heimischen Ärzte wollen Geld
sehen“, berichtete der Mediziner. Zudem bestehen große Unterschiede in Bezug
auf die ärztliche Behandlung. „Die Kinder werden mit Antibiotika förmlich
bombardiert“, so Flohr. Die Gefahr: Deren Körper werden resistent,
Medikamente wirken nicht mehr. „Man schadet damit mehr als man hilft“,
erwähnte Flohr den Aufklärungsaufwand. Zudem bestehe kein Verständnis für
Hygiene. Der OP werde nicht gesäubert.
„Die Arbeit vor Ort ist ein täglicher Kampf.“ Obwohl die deutschen Ärzte
nicht belehrend wirken wollen, sei das zum Wohle der Kinder unerlässlich.
Die Menschen im Kongo nehmen Vitamine nur in Pillenform zu sich. Im
Gegensatz dazu koste die Milchambulanz, die auf Initiative einer
Krankenschwester entstanden sei, wenig und bringe viel. Den Erfolg belegen
Bilder von Kindern, die mit ausgezehrten Körpern zum ersten Mal in die
Ambulanz kommen und nach wenigen Monaten mit gut genährten Gesichtern in die
Kamera lächeln. „Wenn man das sieht, weiß man, dass es sich lohnt“, erklärte
Flohr seine Motivation und dankte für die Unterstützung der Stadtschüler.
„Alle waren sehr beeindruckt von euren Kunstwerken“, lobte auch Lehrerin
Ursula Winter bei der Scheckübergabe. Zu viel gedruckte Kalender werden an
Seniorenheime verteilt.
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