|
Schaumburger Nachrichten vom 07.06.2010 |
|||
| "Der Funke ist übergesprungen" | |||
|
Bad Nenndorf (tes). Sonne, kunterbuntes Programm und nur strahlende
Gesichter im Organisationsteam des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt“: So
viele Demokraten wie nie zuvor feierten ein farbenfrohes Kulturfest und haben dafür gesorgt, dass nicht nur Bad Nenndorfer Bürger im Kampf gegen die alljählichen Nazi-Märsche zusammengewachsen sind. Vielfalt tut gut: Quer durch alle Schichten amüsierten sich Gäste aus Nenndorf und Umgebung zu internationalen kulinarischen Spezialitäten und den Darbietungen von Tänzern und Musikern jeden Alters. Beteiligt waren unter anderem der VfL, die Theaterkiste, die GBN-Bigband oder die Schlaffhorst-Andersen-Schule. |
|
||
|
Die "Bad Nenndorf Boys" rocken im Nenndorfer Kurpark. Teschner |
|||
|
Das von den SN präsentierte Kulturfest ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, zog Dietmar Buchholz für das Bündnis ein rundum positives Fazit. Der Widerstand ist zu einer großen Bewegung gewachsen, erklärte Bürgermeisterin Gudrun Olk und rief mit Verweis auf die Resolution des Rates dazu auf, Gesicht zu zeigen gegen Rechts. Das Schild „Ort der Vielfalt“ sei passend am Wincklerbad angebracht worden. Der Funke ist übergesprungen, betonte Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier. „Wenn wir den Aufmarsch schon nicht verbieten können, setzen wir so ein Zeichen für Integration.“ Mehr noch: Als Schirmherr hoffe er, dass dieses Fest bestehen bleibt, auch wenn die Nazis nicht mehr kommen. Bis das erreicht ist, bedürfe es der Solidarität aus den Orten rund um Bad Nenndorf. Auf das Kulturfest verzichten wollte kein Gast mehr. Innerhalb der Samtgemeinde habe sich in den letzten fünf Jahren ein Wir-Gefühl eingestellt. „Wir wachsen alle zusammen“, freute sich Marianne Matthias. Das Kulturfest werde immer besser und sei toll, um zu sehen, wie vielfältig das Leben in Nenndorf ist. „Da muss man mitmachen“, betonte auch Rosika Baeumchen aus Hohnhorst, der die Neonazi-Aufmärsche Sorgen bereiten. Alle unter einem Dach: Getreu diesem Awo-Motto standen viele in der Warteschlange, um sich den Button anfertigen zu lassen. Zufrieden waren auch die Aleviten, die zum ersten, aber nicht zum letzen Mal dabei waren. 2011 mit größerem Stand, versprach Senna Atalay. Die Stadtschule wartete mit einem riesigen Kuchenbüffet auf. Die Herderschule Bückeburg verkaufte Exemplare ihres prämierten Werks aus der Geschichtswerkstatt zugunsten der Publikation über das Wincklerbad. Atemberaubende Akrobatik gab es unter der Regie von Laura Herbold zu sehen. Lebensfreude pur drückten die Gruppen des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in ihren Tänzen aus. Spezialitäten aus der Türkischen und Jüdischen Küche waren die Renner unter dem Dach der Musikmuschel. Zwei Tage Vorbereitung haben sich gelohnt, freute sich die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Marina Jalowja. Torwandschießen, Kinderschminken und Informatios-stände von Vereinen, Glaubensgemeinschaften und Initiativen gegen Rechts. Auch Besucher aus Hannover waren beeindruckt was die Kurstadt so alles zu bieten hat: Kaum ein Musiker kam ohne Zugabe von der Bühne. Der Halb-Brite Ferdy Doernberg überzeugte ebenso wie die Nachwuchs-Rocker von Klappstuhl und die Lokalmatadoren „Bad Nenndorf Boys“. Die Folge: Das Fest dauerte zwei Stunden länger als geplant. Das Konzept: „Schwefel, Sole und auch Moor, doch Nazis bleiben außen vor“, sei vollends aufgegangen, betonte Organisator Jürgen Uebel. |
|||