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„Lassen Sie die
Nervensägen nicht an Ihren Nerven sägen!“
Peter Köster besucht die IGS und Stadtschule Rodenberg mit dem Vortrag
„Achtung Umbauarbeiten!- Was ist bloß mit unseren Kindern los?“
Am Montagabend lud der Förderverein der
IGS Rodenberg alle
interessierten Eltern zu einem Vortrag von Herrn Peter Köster aus Aachen
ein. Frau Naber begrüßte als Schulleiterin die ca. 200 Besucher sehr
herzlich und bedankte sich für so viele interessierte Gäste und ein gut
gefülltes Forum. Gemeinsam mit Frau Madel, Schulelternratsvorsitzende, Frau
Bode Vogt,
Didaktische Leiterin und Frau Hoppe, Schulsozialarbeitern, sei dieser Abend
organisiert und erst möglich gemacht geworden. Frau Jassner, selber Mutter
eines 12jährigen Sohnes und Vorstandsmitglied des Fördervereins IGS/Stadtschule Rodenberg,
unterstützte dieses noch einmal und begrüßte im Namen des Fördervereins alle
Besucher mit den Worten: „Wir sitzen doch alle in einem Boot.“
Herr Köster ist nicht nur Lehrbeauftragter an der
Universität Köln, Fachleiter für Biologie und Hauptseminarleiter am Studienseminar
Köln, sondern auch Studiendirektor am Einhard- Gymnasium in Aachen und
Lehrer aus Leidenschaft.
Die Pubertät sei immer wieder ein gefragtes Thema. Stellen sich doch Eltern
und Pädagogen immer wieder die Frage, was in dieser Zeit mit den Kindern und
Jugendlichen passiere. Häufig sei von hormongesteuerten Jugendlichen die
Rede, doch es sind nicht nur die hormonellen Veränderungen, es sind vor
allem auch neuronale Prozesse, die den Jugendlichen zu schaffen machen, wie
Herr Köster sehr anschaulich und leicht verständlich allen „Betroffenen“
aufzeigte. Über Bilder wie Mandelkern und Seepferdchen wurden die komplexen
Abläufe im Gehirn von Jugendlichen erklärt und Herr Köster zeigte auf, wie im
Gehirn aus Trampelpfaden Autobahnen werden können, auf denen auch Lernen gut
gelingt. „Ein Lehrer, der weiß, wie das Gehirn funktioniert, weiß wie man
lehren – oder besser was man nicht lehren – muss“, zitiert Köster den
Hirnforscher Manfred Spitzer.

Mit dem Beginn der Pubertät beginnen massive Umbauprozesse im Gehirn. Der
präfrontale Cortex, Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, u.a.
zuständig für Risikoabschätzung, moralische Bewertung, Selbstreflexion
entwickelt sich dabei zuletzt. Die Fähigkeit, Gefühle anderer wahrzunehmen,
geht um ca. 20 % zurück. Es kommt zu irrationalen Äußerungen. Mädchen hört
man z.B. sagen: „Mama, ich kann heute nicht zur Schule gehen. Ich sehe heute
schrecklich aus.“
Die Arbeit des Hippocampus, dem „Seepferdchen“ des Gehirns,
zuständig für Lernen und Gedächtnis, wird durch die plötzliche vermehrte
Ausschüttung von Sexualhormonen zu Beginn der Pubertät massiv beeinflusst.
Östrogene erhöhen bis zum Eisprung die Leistungsbereitschaft, Gefühle von
Verbundenheit und die Kommunikationsfähigkeit der Mädchen. Progesteron führt
im Anschluss zu gesteigerter Reizbarkeit. Die erhöhte
Testosteronausschüttung bei Jungen führt über den Hippocampus hingegen u. a.
zu verminderter Kommunikationsbereitschaft, gesteigertem Stressempfinden.
Kein Wunder also, dass ein schlichtes „Gut“ als Antwort auf die Frage, wie
die Schule denn gewesen sei, schon wahnsinnig aussagekräftig ist.
Köster macht besonders den Eltern Mut: Es bringe nichts die Jugendliche mit
Fragen zu löchern, vielmehr sollten Eltern von sich selber erzählen und sich
mitteilen. Klare und nachvollziehbare Regeln geben den Kindern Orientierung.
Wenn diese nach und nach diskutiert und verhandelbar werden, unterstützen
Regeln damit die Selbstbestimmung der Kinder.
Das Wissen um die Umbauarbeiten entschuldigt nicht jedes Verhalten während
der Pubertät. Kösters Botschaft: pubertierende Jugendliche sind liebenswerte
Geschöpfe, die bei dem Umbau ihres Gehirns begleitet, gefordert und
gefördert werden wollen!
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