Vortrag "Umbauarbeiten" von Peter Köster
am 07.02.2011

 
   


„Lassen Sie die Nervensägen nicht an Ihren Nerven sägen!“
Peter Köster besucht die IGS und Stadtschule Rodenberg mit dem Vortrag
„Achtung Umbauarbeiten!- Was ist bloß mit unseren Kindern los?“

Am Montagabend lud der Förderverein der IGS Rodenberg alle interessierten Eltern zu einem Vortrag von Herrn Peter Köster aus Aachen ein. Frau Naber begrüßte als Schulleiterin die ca. 200 Besucher sehr herzlich und bedankte sich für so viele interessierte Gäste und ein gut gefülltes Forum. Gemeinsam mit Frau Madel, Schulelternratsvorsitzende, Frau Bode Vogt, Didaktische Leiterin und Frau Hoppe, Schulsozialarbeitern, sei dieser Abend organisiert und erst möglich gemacht geworden. Frau Jassner, selber Mutter eines 12jährigen Sohnes und Vorstandsmitglied des Fördervereins IGS/Stadtschule Rodenberg, unterstützte dieses noch einmal und begrüßte im Namen des Fördervereins alle Besucher mit den Worten: „Wir sitzen doch alle in einem Boot.“

Herr Köster ist nicht nur Lehrbeauftragter an der Universität Köln, Fachleiter für Biologie und Hauptseminarleiter am Studienseminar Köln, sondern auch Studiendirektor am Einhard- Gymnasium in Aachen und Lehrer aus Leidenschaft.
Die Pubertät sei immer wieder ein gefragtes Thema. Stellen sich doch Eltern und Pädagogen immer wieder die Frage, was in dieser Zeit mit den Kindern und Jugendlichen passiere. Häufig sei von hormongesteuerten Jugendlichen die Rede, doch es sind nicht nur die hormonellen Veränderungen, es sind vor allem auch neuronale Prozesse, die den Jugendlichen zu schaffen machen, wie Herr Köster sehr anschaulich und leicht verständlich allen „Betroffenen“ aufzeigte. Über Bilder wie Mandelkern und Seepferdchen wurden die komplexen Abläufe im Gehirn von
Jugendlichen erklärt und Herr Köster zeigte auf, wie im Gehirn aus Trampelpfaden Autobahnen werden können, auf denen auch Lernen gut gelingt. „Ein Lehrer, der weiß, wie das Gehirn funktioniert, weiß wie man lehren – oder besser was man nicht lehren – muss“, zitiert Köster den Hirnforscher Manfred Spitzer.
Mit dem Beginn der Pubertät beginnen massive Umbauprozesse im Gehirn. Der präfrontale Cortex, Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, u.a. zuständig für Risikoabschätzung, moralische Bewertung, Selbstreflexion entwickelt sich dabei zuletzt. Die Fähigkeit, Gefühle anderer wahrzunehmen, geht um ca. 20 % zurück. Es kommt zu irrationalen Äußerungen. Mädchen hört man z.B. sagen: „Mama, ich kann heute nicht zur Schule gehen. Ich sehe heute schrecklich aus.“

Die Arbeit des Hippocampus, dem „Seepferdchen“ des Gehirns, zuständig für Lernen und Gedächtnis, wird durch die plötzliche vermehrte Ausschüttung von Sexualhormonen zu Beginn der Pubertät massiv beeinflusst. Östrogene erhöhen bis zum Eisprung die Leistungsbereitschaft, Gefühle von Verbundenheit und die Kommunikationsfähigkeit der Mädchen. Progesteron führt im Anschluss zu gesteigerter Reizbarkeit. Die erhöhte Testosteronausschüttung bei Jungen führt über den Hippocampus hingegen u. a. zu verminderter Kommunikationsbereitschaft, gesteigertem Stressempfinden. Kein Wunder also, dass ein schlichtes „Gut“ als Antwort auf die Frage, wie die Schule denn gewesen sei, schon wahnsinnig aussagekräftig ist.
Köster macht besonders den Eltern Mut: Es bringe nichts die Jugendliche mit Fragen zu löchern, vielmehr sollten Eltern von sich selber erzählen und sich mitteilen. Klare und nachvollziehbare Regeln geben den Kindern Orientierung. Wenn diese nach und nach diskutiert und verhandelbar werden, unterstützen Regeln damit die Selbstbestimmung der Kinder.
Das Wissen um die Umbauarbeiten entschuldigt nicht jedes Verhalten während der Pubertät. Kösters Botschaft: pubertierende Jugendliche sind liebenswerte Geschöpfe, die bei dem Umbau ihres Gehirns begleitet, gefordert und gefördert werden wollen!

 

 
    EINLADUNG Flyer SW V. 16.02.11 FÖRDERVEREIN