Schaumburger Nachrichten vom 16.06.2011

   
 

Wir erfahren so etwas nicht in der Presse“

 
„Du giltst im Haus als schwierig“ hat Grimmepreisträger Frieder Wagner von einem leitenden WDR-Journalisten einmal zu hören bekommen, als der Filmemacher sich darüber wunderte, dass er keine Aufträge bekam und seine Beiträge nicht gesendet wurden. Lediglich einmal sei sein Film „Todesstaub“ („Deadly Dust“) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen gewesen, berichtet er.
 
 

 

Grimmepreisträger Frieder Wagner beantwortet Fragen der Stadtschüler
nach der Vorführung seines Films „Todesstaub“. © bab
 

  Rodenberg (bab). Eine Kurzfassung des Films über Auswirkungen von Munition aus angereichertem Uran, die vorwiegend von den USA und anderen Westmächten im Irak-, Kosovo- und Afghanistankrieg eingesetzt wurde, haben die Stadtschüler zusammen mit dem Autor und Journalisten gesehen.

Wagners bedrückende Dokumentation zeigt, dass die Geschosse, die radioaktiven Feinstaub freisetzen, die Umwelt verseuchen und genetische Defekte verursachen, die über Generationen zu Behinderungen und Krebserkrankungen führen. Wagner berichtet von Kindern, die ohne Augen, Gliedmaßen oder Kopf geboren werden, weil die Gene der elterlichen Geschlechtszellen deformiert sind. Entsprechende Fälle aus den Krisengebieten sind in dem Film dokumentiert.

Als seien die Schrecken des Krieges nicht ohnehin grausam genug, werden diese Waffen lange darüber hinaus Menschen töten. „Die Halbwertszeit von Uran beträgt 4,5 Milliarden Jahre“, sagt Wagner und die gefährlichen Nanopartikel würden vom Wind über Hunderte Kilometer verteilt.

Die Geschosse aus angreichertem Uran werden vor allem deshalb eingesetzt, weil sie durch stärkste Metallwände wie durch Butter dringen, erklärt Wagner. Obwohl die Bundesregierung bis heute leugne, dass derlei Waffen im Afghanistankrieg überhaupt eingesetzt wurden. Eine Studie über die Folgen der Waffen werde zudem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgrund eines Abkommens mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) unterdrückt.

Nicht nur verschiedenste Interessen von Institutionen und Organisationen sorgen dafür, dass die Waffen nicht geächtet werden. Auch die meisten Medien fassen das Thema laut Wagner nicht an. „Wir erfahren so etwas nicht in der Presse“, sagt der Filmproduzent. „Ich habe es selber erfahren müssen, ich wurde nur abgeblockt.“ Ebenso wenig wie die Öffentlichkeit würden die Soldaten über die Gefahren ihrer Munition aufgeklärt.

Die Stadtschüler hatten sich im Fach Religion mit der Thematik befasst. Und Lehrer Lutz Müller fragte, wie sich die Öffentlichkeit informieren könne, wenn die Presse, Funk und Fernsehen nicht berichten. Da kann Frieder Wagner nur auf das Internet verweisen. Nur dort seien Stellungnahmen von Wissenschaftlern und andere Beiträge über die Waffen zu finden, die nach seiner Meinung noch lange und krasse Auswirkungen haben werden. Beleg dafür würden die steigenden Krebsraten in den betroffenen Regionen sein.
 
   
     

SW VOM 29.06.2011

 

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